Angekommen

Seine unwiderstehliche Anziehung kommt nicht von ihm -seinem nackten Körper- sondern von seiner nackten Seele, die nun vor mir liegt. Unbedeckt und wunderschön. Sie hat Risse und wurde schon tausende Male geflickt. Aber aus den Wunden und Narben sprießen Blumen in den schönsten Farben. Sie war zwar schon oft zerstückelt worden, doch nun liegt sie vor mir- ein ganzes und doch zerbrochenes Teil. Seine Seele ist das vollkommenste, das ich jemals erfühlen konnte. Es zieht mich zu ihm heran- zu seiner Seele. Zum ersten Mal fühle ich, dass meine eigene Seele kein Häufchen Elend aus tickenden Bomben ist. Zum ersten Mal fühle ich, dass meine eigene Seele jetzt vor ihm liegt wie eine zarte, weiße Feder. Rein, leicht, sich mit ihm vereinend. Meine Seele segelt auf ihn- so zart, dass sie nichts verletzten kann.

Eine Vereinigung der Körper habe ich schon oft erfahren, doch eine Vereinigung der Seelen noch nie. Ich war nicht mehr in meinem Körper, ich war keine Substanz mehr. Ich war die Feder, ich legte mich auf seine Blumenwiese. Ich berührte ihn so zart, dass ich ihn niemals verletzen hätte können. Seine Farben malen Muster auf mich, füllen jedes Stücken meiner weißen Feder auf.

Ich fühle mich nicht zerstörend, nicht Fehl am Platz und nicht Tonnen schwer. Deswegen ist dieser Moment für mich perfekt, unvergesslich. Meine Magie.

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